Warum sich jetzt für den Mittelstand ein strategisches Recruiting-Fenster öffnet
Der SAP-Arbeitsmarkt ist im Wandel. Konnten qualifizierte SAP-Spezialisten jahrelang aus einer starken Position heraus agieren, hat nun die allgemeine wirtschaftliche Abkühlung auch diesen Markt erreicht. Unternehmen stellen Projekte auf den Prüfstand und sind zurückhaltender bei Neueinstellungen. Für SAP-Experten ist damit die Situation anspruchsvoller geworden. Für mittelständische Unternehmen kann sich daraus jedoch eine seltene Chance bieten: Die Chance Fachkräfte zu gewinnen, die sie bislang nur schwer erreichen konnten.
Rezession im SAP-Umfeld
Die Rezession macht sich zunehmend auch im SAP-Umfeld bemerkbar. Viele Unternehmen reduzieren ihre Investitionen oder verschieben größere Vorhaben. Davon betroffen sind unter anderem S/4HANA-Migrationen und Cloud-Initiativen. Hinzu kommt der Stellenabbau in großen Industrieunternehmen. Wenn Produktionsstandorte geschlossen oder Beschäftigtenzahlen reduziert werden, sinkt heutzutage auch der Bedarf an IT-Ressourcen. Die frühere Entwicklung, dass Unternehmen in anderen Bereichen Personal abbauen, während die IT gleichzeitig weiter aufgestockt wird, ist nicht mehr in gleicher Form zu beobachten. Die Effizienzgewinne durch Digitalisierung, die über viele Jahre zur Begründung zusätzlicher IT-Kapazitäten dienten, werden inzwischen vielfach als weitgehend realisiert betrachtet.

SAP-Anwenderunternehmen und SAP-Beratungsunternehmen
Nicht nur SAP-Anwenderunternehmen, sondern auch SAP-Beratungsunternehmen spüren die veränderte Situation. Die Auslastung ist teilweise zurückgegangen und manche Berater warten darauf dass ihr nächstes Projekt startet. Bei IT- und SAP-Spezialisten zeigt sich die Entwicklung bislang weniger durch Entlassungen als durch eine geringere Zahl neu ausgeschriebener Stellen und längere Entscheidungsprozesse bei Einstellungen.
2025 und danach
2025 wuchs laut Index Research die Anzahl der SAP-Stellenanzeigen zwar noch um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ging aber die Zahl der Unternehmen, die nach SAP-Fachkräften suchten, um 2,7 Prozent zurück. Inzwischen zeigt sich zudem, dass ausgeschriebene Positionen bei Anwenderunternehmen und Beratungen nicht zwangsläufig zeitnah besetzt werden. Gerade in der Automobilbranche und im Manufacturing können Stellen teilweise auch dazu dienen, sich für einen unerwarteten Personalbedarf Optionen offenzuhalten.
Energie und Verteidigung bieten Perspektiven
Ein anderes Bild zeigt sich in Branchen, die stärker staatlich geprägt sind. Dazu zählt beispielsweise die Energieversorgung. Für SAP-Spezialisten bestehen bei Versorgungsunternehmen weiterhin interessante berufliche Möglichkeiten. Allerdings erreichen die dort gezahlten Gehälter vielfach nicht mehr das Niveau, das erfahrene SAP-Fachkräfte in der Industrie in den vergangenen Jahren erzielen konnten.
Auch der Verteidigungssektor entwickelt sich aufgrund umfangreicher staatlicher Aufträge positiv. Allerdings ist die Branche zu klein, um die Rückgänge in anderen Industriebereichen auszugleichen. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt lediglich bei etwa 0,3 bis 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Automobilindustrie kommt auf etwa die zehnfache Größe.
Insgesamt bleibt der SAP-Arbeitsmarkt somit auch für erfahrene Berater ungewohnt schwierig. Wer mit seiner derzeitigen Position zufrieden ist, sollte sich einen Wechsel daher gut überlegen. Für SAP-Experten, die sich beruflich verändern oder den nächsten Karriereschritt machen möchten, gilt mehr denn je: Eine Kündigung sollte erst erfolgen, wenn ein neuer Arbeitsvertrag von beiden Seiten unterschrieben ist. Wer um seinen Arbeitsplatz fürchtet, sollte dagegen möglichst früh mit der Suche beginnen. So lässt sich das Risiko einer längeren Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit reduzieren.
Flexibilität wird für SAP-Experten wichtiger
Wer aktuell eine neue Position sucht, muss sich darauf einstellen, dass sich die eigenen Vorstellungen vielleicht nicht unmittelbar verwirklichen lassen. Das betrifft insbesondere das Gehalt. Je nach Qualifikation und Spezialisierung kann es notwendig sein, auch Positionen in anderen Branchen in Betracht zu ziehen. Manche Fachkräfte müssen mit einer längeren Suchphase rechnen. Für andere kann ein Wechsel aus der klassischen SAP-Beratung in angrenzende Tätigkeitsbereiche eine Alternative darstellen. Auch eine größere regionale Flexibilität verbessern die Chancen. Bei spezialisiertenSAP-Profilen kann die Zusammenarbeit mit einem Personalberater hilfreich sein. Entscheidend ist, Positionen nicht wahllos anzusteuern, sondern diejenigen Arbeitgeber auszuwählen, bei denen Fachwissen, Projekterfahrung, Branchenkenntnisse und persönliche Vorstellungen tatsächlich zusammenpassen.
Für Berufseinsteiger ist die Situation noch schwieriger. Bereits für den Einstieg werden häufig umfangreiche Vorkenntnisse erwartet. Zudem besteht die Möglichkeit, dass junge SAP-Fachkräfte zunächst weniger anspruchsvolle oder abwechslungsreiche Aufgaben als noch vor ein paar Jahren übernehmen.
Der langfristige Bedarf an IT-Fachkräften bleibt bestehen
Die aktuelle Entwicklung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der langfristige Bedarf an IT-Fachkräften weiterhin hoch ist. Die Bitkom-Studie zum IT-Arbeitsmarkt 2025 kommt trotz der konjunkturellen Abkühlung zu einem deutlichen Ergebnis: In Deutschland fehlen rund 109.000 IT-Fachkräfte. 85 Prozent der befragten Unternehmen sehen einen Mangel an IT-Fachkräften, und 79 Prozent erwarten, dass sich dieser Engpass künftig weiter verschärft.
Auch SAP selbst entwickelt sich weiterhin positiv. Die Geschäftsentwicklung des Softwarekonzerns zeigt ein anhaltendes Wachstum: SAP meldete für das zweite Quartal 2026 um 9% gestiegene Umsatzerlöse, darüber hinaus einen aktuellen Cloud-Auftragsbestand von 22,9 Milliarden Euro und damit ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit bleiben die langfristigen Aussichten für SAP-Spezialisten grundsätzlich gut. Künstliche Intelligenz ändert daran wenig. Bei Geschäftsprozessen legen Unternehmen Wert auf klar definierte und nachvollziehbare Abläufe. SAP-Systeme bilden solche deterministischen Prozesse ab, während KI-Anwendungen in diesem Bereich allenfalls ergänzend eingesetzt werden. Die in Stellenanzeigen geforderten KI-Kenntnisse sind deshalb vielfach eine zusätzliche Qualifikation, die Effizienzgewinne ermöglichen soll oder die Benutzerfreundlichkeit verbessern soll, aber nicht der Kern des gesuchten SAP-Profils.
Der Mittelstand kann das aktuelle Zeitfenster nutzen
Für mittelständische Unternehmen ergibt sich aus dieser Situation eine besondere Chance: Unternehmen, die wirtschaftlich stabil durch die Krise gehen, können die derzeitige Marktphase nutzen, um ihre SAP-Kompetenz auszubauen und Digitalisierungsprojekte voranzutreiben. Dazu gehören beispielsweise die Umstellung auf S/4HANA oder andere Vorhaben, die in den kommenden Jahren ohnehin umgesetzt werden müssen. Wer jetzt gezielt Fachkräfte gewinnt, kann sich bereits heute für die anstehenden Digitalisierungsaufgaben aufstellen.
Die Herausforderung besteht allerdings darin, die passenden Spezialisten überhaupt zu erreichen. Gerade kleinere Unternehmen und Arbeitgeber außerhalb der großen Ballungsräume sind selten auf dem Radar erfahrener SAP-Berater. Bei spezifischen Anforderungsprofilen reicht es daher nicht aus, eine Stelle auszuschreiben und auf passende Bewerbungen zu warten.
Hier können spezialisierte SAP-Personalberater eine wichtige Vermittlerrolle übernehmen. Durch langjährige Kontakte zur Community der SAP-Fachkräfte verfügen sie über ein gewachsenes Netzwerk. Sie können wechselwillige Kandidaten gezielt nach ihrer fachlichen Ausrichtung und bisherigen Projekterfahrung ansprechen. Denn eine große Zahl an Bewerbungen ist nicht hilfreich, entscheidend ist vielmehr, ob darunter tatsächlich die Fachkraft zu finden ist, die zum Profil passt. Spezialisierte SAP-Personalberater liefern den Unternehmen meist drei passgenaue Bewerber – eine wertvolle Vorauswahl.
Der Fachkräftemangel ist nur vorübergehend in den Hintergrund gerückt
Die aktuelle Entwicklung des SAP-Arbeitsmarkt hin zu einem Arbeitgebermarkt sollte daher nicht als Ende des Fachkräftemangels missinterpretiert werden. Wenn sich die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wieder erhöht, dürfte auch der Wettbewerb um qualifizierte SAP-Spezialisten erneut an Bedeutung gewinnen. Wann genau dieser Wendepunkt erreicht wird, bleibt angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten, geopolitischer Konflikte und weiterer Einflussfaktoren offen.
Für mittelständische Unternehmen bietet sich damit jetzt ein Zeitfenster mit einer Chance, von der sie jahrzehntelang geträumt haben: Sie können Fachkräfte gewinnen, die unter bisherigen Marktbedingungen nicht für sie erreichbar gewesen wären. Gerade für mittelständische SAP-Anwenderunternehmen sollten, die aktuelle Situation als Möglichkeit betrachten, sich für die eigene SAP- und Digitalisierungsstrategie in den kommenden Jahren zu rüsten.
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